Mühlentag 2019

Das Mühlendorf Schwabsoien lädt am Pfingstmontag, 10. Juni 2019 wieder zum 26. Deutschen Mühlentag in die Auerberglandgemeinde ein.

Historische Mühlen vermitteln einen Eindruck vom Erfindungsreichtum der Mühlenbauer, vom schweren Beruf des Müllers und der Schmiede und von der Lebensweise vergangener Generationen.

Das Mühlendorf Schwabsoien ist geprägt von dem kostbarsten Gut, das Mutter Natur den Menschen, Tieren und Pflanzen zum Überleben gegeben hat: dem Wasser. Für das Dorf und die Landschaft übernimmt der Bach, die Schönach, eine sehr wichtige Rolle.

Die Gesellschaft für Mühlenkunde hat den diesjährigen Mühlentag unter das Thema "Energie ohne Nebenwirkung" gestellt. ein Thema, das aktueller denn je ist. Somit wird auch ein Beitrag für die Förderung der Wasserkraftnutzung geleistet, ein wesentlicher Aspekt zur Erhaltung von historischen Gebäuden, Wasserrädern und Stauanlagen .

Der Deutsche Mühlentag bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich über die historischen Gebäude im Mühlendorf Schwabsoien und deren wirtschaftliche Bedeutung in den vergangenen Jahrhunderten zu informieren.

 

Ein interessantes Rahmenangebot steht für die ganze Familie auf dem Tagesprogramm. Geöffnet ist die funktionsfähige Pröbstl-Mahlmühle mit Mühlenladen.

Den Begriff "Kunstmühle" legten sich etwa um die Jahrhundertwende Mühlen zu, welche von der Steinmüllerei zur Vermahlung auf Walzenstühlen übergingen und schon mehr oder weniger einen automatischen Betrieb mit Elevatoren führten.

Korn dreschen steht bei geeigneter Witterung auf dem Programm

Ein Herford Motor, Typ DNS mit 1 Zylinder, 75 Ps bei 300 U/Min, Baujahr 1950 wird von Familie Pröbstl gerne  erklärt. (Video) Die Bulldog-Oldtimer treffen sich wie jedes Jahr auf dem Mühlengelände. 

 

Besuchen Sie auf dem Gelände der Pröbstlmühle eine Ausstellung von Kunsthandwerkerinnen aus dem Mühlendorf.

 

Besuchen Sie das Quellgebiet der Schönach mit dem Kohlenmeiler oder das Pumpenhaus bei der ehemaligen Weißhammerschmiede.  Das Triebwerk ist mit einem Zuppinger-Wasserrad ausgestattet. Der Durchmesser des Rades beträgt 2,60 m (Gefälle 1,15 m). Das Pumpwerk besteht aus einer Kolbenpumpe für eine Fördermenge von 60 l/Minute. Das Triebwerk war bis 1948 in Betrieb und versorgte die Gemeinde Sachsenried mit Wasser, das bei den Schönachquellen gewonnen wurde.  Die Förderhöhe betrug 105m, die Leitung hatte eine Länge von 3.700m.  1909 kaufte Sachsenried (bis dahin Selbstversorger) einen Teil des Wasserrechts der ehemaligen Waffenschmiede. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde das Gebäude saniert.

 

Die ehemalige Weißhammerschmiede (bereits 1658 erwähnt und beim Dorfbrand 1823 verschont) wurde bis 1918 betrieben. Anfangs der 60er Jahre wurde das Gebäude abgebrochen. An dieser Stelle wurde von Werner Stich  1994 ein Neubau mit einem unterschlächtigem Wasserrad zur Stromgewinnung errichtet (kommt nur bei geringen Fallhöhen zum Einsatz).

Ehemalige Weißhammerschmiede
Bau des Wasserrads 1994
Pumpenhaus
 

Beim Pumpenhaus führt Georg "Schorsch"  Bayr aus Sachsenried seinen Deichelbohrer vor. In vorindustrieller Zeit wurden in wald- und wasserreichen Gegenden wie Schwabsoien die Wasserleitungsrohre durch zentrales Durchbohren eines Baumstammes hergestellt, den sogenannten Deicheln (der Begriff wird auf das lateinische Wort ductile zurückgeführt). Die Herstellung einer solchen  Holzröhre verlangte von den Handwerkern großes Geschick, weshalb der Deichelbohrer ein angesehener Beruf war. Das Bohren mußte immmer nach einigen Umdrehungen unterbrochen werden, um die sich dahinter stauenden Späne herausziehen zu können - dann wurde der Bohrer neu angesetzt.  Hier können Sie nun Ihre Kräfte messen.

 

Das Hammerschmiedemuseum ist ab 11 Uhr am Pfngstmontag für Sie geöffnet. Eigentümer Peter Götz und die Mühlentagsführer heißen Sie im einzigartigen Museum herzlich willkommen.

2019 finden wieder Schmiedevorführungen statt. Robert Vetter aus Sonthofen wird unterstützt von Andreas Bauer aus München (Museums-Schmied vom Wasmeier-Museum in Schliersee) sowie von  Hermann Paul, der seit 2004 "Museumsschmied" in der Hammerschmiede  ist.

Robert Vetter wurde 2017 mit dem "Oberschwäbischen Mühlenpreis" ausgezeichnet. Seit etwa 20 Jahren ist der Beruf des Mühlenbauers ausgestorben. Robert Vetter war einer der letzten, die das Handwerk noch gelernt haben und ist ein sehr gefragter Fachmann. Der Träger des "Ehrenzeichens des bayerischen Ministerpräsidenten" hat sich auch als Dokumentarfotograf alter Mühlen international einen Namen gemacht.

In der Ausgabe 1/2018 von "Heimat Allgäu-Spezial" findet sich ein großer Bericht über den "Mühlenarzt"  Robert Vetter, der alte Mühlen vom Allgäu bis nach Köln wieder "klappern" lässt.

Das Schmieden am Amboss ist für viele eine Tätigkeit aus alter Zeit. Die Schmiede demonstrieren ihre Handwerkskunst  und beweisen, dass das Schmieden auch heute noch einen hohen Stellenwert haben kann.  Das Hammerwerk sowie das Schleifwerk sind abwechselnd in Betrieb. Beeindruckend, wenn der größte Fallhammer, den die vom Wasserrad angetriebene Welle anhebt und dann freigibt - der Hammer fällt auf den Amboss!

Peter Götz hat in jahrelanger Arbeit die Geschichte der Hammerschmiede zusammengefaßt. Das Buch - die Jubiläumsschrift "600 Jahre Hammerschmiede -  1415 bis 2015" können Sie  am Infostand/Kasse in der Ortsmitte und in der Hammerschmiede erwerben. Das Buch ist auch im Stadtmuseum in Schongau erhältlich.

Somit ist die Schwabsoier Hammerschmiede wohl die älteste Schmiede in Deutschland. Die Frohnauer Hammerschmiede bei Annaberg-Buchholz wird 1436 zum erstenmal erwähnt, Die Hammerschmieden an der Ostrach sind gut 500 Jahre alt.

 

Im Kutschenmuseum gibt es auf einer Fläche von über 300 qm historische Kutschen und Schlitten zu sehen. Ausgestellt sind auch alte Gerätschaften und Fahrtrensen.  Eigentümer Johann "Johnny" Hartmann hat wieder viele Überraschungen für Sie auf Lager.

In der Zeit von 13 bis 16 Uhr werden Kutschfahrten in einem historischen Pferdeomnibus mit Dachsitz angeboten. "Hoch auf dem gelben Wagen" - wobei, der Omnibus ist nicht gelb, sondern rot. Angeboten wird eine Dorfrunde mit dem Zweispänner (kostenpflichtig), Abfahrt beim Kutschenmuseum alle 15 Minuten (Lahnerwiese). Natürlich gibt es Kutschenfahrscheine für die jeweils 9 Mitfahrer, die auf dem Pferdeomnibus Platz finden. Erstmals wird ein Bestattungswagen aus Opfenbach (Landkreis Lindau), Baujahr 1900, ausgestellt. Bei der zusätzlichen Sonderausstellung "Kutschenlampen" wird auch ein Einblick in die Laternenrestaurierung gewährt.

Johnny und sein Team freuen sich über interessierte Besucher.

Im März 2016 berichtete das Bayerische Fernsehen über den " Kutschen-Johnny von Schwabsoien".

 

Für Ihr leibliches Wohl (Hunger und Durst) sorgen die Musiker/innen der Blaskapelle Schwabsoien beim Kutschenmuseum. Freuen Sie sich auf viele kulinarische Köstlichkeiten wie eine vegane, orientalische Suppe oder eine Soier Kartoffelsuppe mit Speck.

 

Der Förderverein Kindergärten & Schule Schwabbruck/Schwabsoien e. V. bietet in Zusammenarbeit mit der Jugendgruppe der Johanniter von Peißenberg ein umfangreiches Rahmenprogramm für Kinder an (bitte beachten, das Kinderprogramm ist keine Kinderbetreuung!) Bei schönem Wetter sind "Müller's Esel" aus Schwabbruck zu Gast.

 

Anke "Firlefanz"und ihr Team öffnen die Kreativ-Werkstatt im ehemaligen Gasthof Post (Ortsmitte) mit einem interessanten Kinderprogramm wie schminken, Glitzertattoos, Kindertheater (gegen eine kleine Gebühr). Frische Waffeln werden angeboten, zum Künstlerinnenmarkt wird eingeladen.

 
Miriam Seelos
Ulrike Knappich

Kirchenführungen in der St. Stephanskirche finden um 11 Uhr, um 13 Uhr und um 15 Uhr statt.

Jeweils 10 Minuten vor den Führungen können Sie ein kurzes Orgelkonzert genießen.

Die heutige Pfarrkirche ist bereits die dritte Kirche in Schwabsoien.

Während über die erste Pfarrkirche nichts Näheres bekannt ist, weiß man von der zweiten Kirche, dass sie um das Jahr 1600 erbaut wurde.

Dieses Gotteshaus ist dem Dorfbrand am 06.09.1823 zum Opfer gefallen.

Obwohl die Bewohner von Schwabsoien ihre Wohnungen, Anwesen und Betriebe wieder aufbauen mussten, haben sie bereits im Jahre 1824 mit dem Neubau einer Pfarrkirche begonnen.

Die heutige Ausstattung erhielt die Pfarrkirche St. Stephan bei der Restaurierung in den Jahren 1906 und 1907 unter Pfarrer Johann Link.

Unsere Mesnerin, Miriam Seelos freut sich auf viele interessierte Besucher.

 
St. Stephanskirche
 

Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.

Verpflegungsstationen mit vielen regionalen Schmankerl finden Sie bei der

  • Pröbstlmühle (u. a. frische Küachle, Kaffee und Kuchen, Leberkäs und Bratwürstl),
  • beim Dorfladen Guffler (Rollbraten und natürlich alles für den Hunger und Durst),
  • bei der ehemaligen Kellermühle am Mühlenweg (FCS e. V. -  u.a. Steckerlfisch - Makrelen-  knusprige Göggerl sowie Zwiebelkuchen mit dem passenden Wein),
  • beim Kutschenmuseum was für den großen Hunger (Blaskapelle Schwabsoien)  sowie Kaffee und Kuchen (Förderverein),
  • gegenüber vom Infostand (Schwabsoier Landfrauen bieten nicht nur Kaffee, Kuchen und Bauernhofeis  an, sondern auch ihre Mühlenwegsbrotzeiten mit Käsesalat, Frischkäseaufstrich, Butterbrezen und vieles mehr)
  • beim Hammerschmiedemuseum Spezialitäten vom Grill mit Rudi und Karl-Heinz

Führungen auf dem Mühlenweg finden halbstündlich von 10 Uhr bis 14 Uhr statt. Treffpunkt ist vor dem Rathaus bei der Kasse/Infostand.

Unkostenbeitrag, IHR Eintritt ins

Mühlendorf Schwabsoien für Erwachsene  2.- €,

(incl. aller Führungen und Eintritt in alle Museen, sowie Teilnahme beim Kinderprogramm des Fördervereins).

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre, Behinderte und Inhaber einer Ehrenamtskarte sind frei.

Den Mühlentagsaufkleber (Ihre Eintrittskarte)

erhalten Sie beim Infostand/Kasse in der Ortsmitte (Rathaus), beim Hammerschmiedemuseum  oder beim Kutschenmuseum.

Die Führungen finden bei jeder Witterung statt, festes Schuhwerk ist empfehlenswert.

Das Mühlendorf Schwabsoien freut sich auf viele interessierte Besucher!

Am Infostand begrüßen und  betreuen Sie kompetente und freundliche Damen aus Schwabsoien und Sachsenried (Gerda, Michaela, Elfriede, Doris, Anni, Tina, Hildegard und Anne).

Auf dem Mühlenweg begleiten Sie unsere erfahrenen Führer (Alfons, Thomas, Wolfgang R., Resi, Georg, Manfred, Andreas, Wolfgang Sch.)

In den Museen werden Sie zusätzlich von den Eigentümern umfassend informiert.

Schwabsoien  ist von 9 Uhr bis 17 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt, bitte parken Sie am Ortseingang auf den ausgewiesenen Parkflächen.

Toiletten für unsere Besucher sind im Gemeindehaus in der Ortsmitte (Infostand), bei der  Pröbstlmahlmühle, beim  Kutschenmuseum und bei der Hammerschmiede.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen unserer Mühlentagsführer oder an die Damen vom Infostand.

 
Infostand/Kasse in der Ortsmitte
Vor dem Kutschenmuseum
 


Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt.

 

Text und  Fotos: Juditha Wolf

 
 

Pfingstmontag, 10. Juni 2019

Mühlentag in Schwabsoien, die Veranstaltung und die Führungen finden bei jeder Witterung statt, festes Schuhwerk ist empfehlenswert. Einige Angebote sind witterungsabhängig.

10 Uhr bis 17 Uhr

Hammerschmiede 11-18 Uhr

Führungen halbstündlich von 10 bis 14 Uhr, Treffpunkt Kasse/Infostand in der Ortsmitte

Kutschfahrten mit dem historischen Pferdeomnibus von 13 bis 16 Uhr (kostenpflichtig).

Ihr Eintritt ins Mühlendorf (Unkostenbeitrag) 2.- € pro Erwachsenen

(Kinder, Jugendliche bis 16 Jahre, Behinderte und Inhaber einer Ehrenamtskarte frei)

Den Mühlentagsaufkleber (Ihre Eintrittskarte) erhalten Sie bei der Kasse/Infostand in der Dorfmitte, beim Hammerschmiedemuseum oder beim Kutschenmuseum.

 

600 Jahre Hammerschmiede

Anno 1415 hatt Abbtt Yban unser aigne Eysenschmitten zu Soyen verlassen, doch allein uff Leibgeding, dem Hansen Lytter cum omnibus pertinentiis. Sol uns jarlich doraus zinsen und geben 4 Centner eysen Kauffmanns Guott. Und wan die Schmitten verbrun oder dergleichen Zustand bekemme, sols uns unschedlich sein. Item man schmide oder kente schmiden oder nit. Item die Schmidt  stehe oder nit, sol uns ermellte Gült der 4 Centner Eysen ein Weg als den andern geben werden. Sol auch Drittepfennig Guot sein. Sol nichtss verkaufft werden ohn unser Vorwissen und Bewilligung. Nach seinem und seiner Weib und Künd Absterben sol unns solche Schmitte sampt dem Schmidzeug für frei aigen widerumben haimfallen.

Es ist demnach anzunehmen, dass die Schmiede im Jahr 1415 oder kurz davor vom Kloster Füssen erworben worden war. Also handelt es sich bei diesem Jahr um die erste genaue urkundliche Datierung der Schmiede. 

Peter Götz
 
 
Hammerschmiedemuseum