Pfarrkirche St. Martin in Sachsenried

Baugeschichte: Die gotische Pfarrkirche wurde 1744-1746 erweitert und 1753-1754 barockisiert. Die Stuckarbeiten fertigte Joseph Fischer aus Faulenbach bei Füssen an.  Freskant war Franz Anton Zeiller aus Breitenwang / Reutte. Er erhielt 1753 vom Kloster Füssen mit der Freskierung der Pfarrkirche in Sachsenried den ersten selbständigen Auftrag, für ihn eine entscheidende Aufgabe, da die erfolgreiche Ausführung für die zukünftige Karriere bestimmend war (u.a. Stams, Ottobeuren, Irsee, Innsbruck und Brixen).

Baubeschreibung: Einfacher dreiachsiger Saalbau mit leicht eingezogenem zweiachsigem Altarraum und apsidalem Schluss. Über der Sakristeitüre Oratorium und gemaltes Halbfenster. Im Westen Doppelempore.

Der Hochaltar in Stuckmarmor nimmt die Stirnwand des Chorraumes ein. Zwei Rundsäulen begrenzen ihn. An der Außenseite stehen die Bistumspatrone Der Diözese Augsburg Ulrich und Afra ( vermutlich von Anton Sturm  aus Füssen). 

Fresken. Ein Meisterwerk ist das von F.A. Zeiller gemalte Mittelfresko im Chorraum; die Patrone Martin und Maria wenden sich, auf Wolken knieend, fürbittend an die heilige Dreifaltigkeit. Christus ist als Salvator mit dem Leidenskreuz und der Dornenkrone, Gottvater als der Weltschöpfer und Regent, und zwischen ihnen der heilige Geist in Gestalt einer Taube dargestellt. Die Wolken geben einen Ausblick auf das Dorf Sachsenried, das die Heiligen dem göttlichen Schutz anempfehlen. Die Ortsansicht ist minuziös in Vogelperspektive wiedergegeben. Die Figuren sind wirkungsvoll von den Wolken abgehoben, die in verschieden abgestuften Grautönen gemalt sind.

Das Mittelfresko im Langhaus erzählt vom Wirken des Kirchenpatrons als Bischof und Missionar in seiner Diözese.

Die Kreuzwegstationen wurden 1929 gemalt; es handelt sich um eine Kopie des Kreuzweges von Januarius Zick im Augsburger Ulrichsmünster. Aus dem spätgotischen Gotteshaus haben sich noch ein Cruzifixus sowie Figuren des hl. Martin, des hl. Nikolaus und eine Madonna erhalten. Zwischen dem rechten Seitenaltar und der Kanzel eine Rosenkranzmadonna aus dem 18. Jh. Unter der Männerempore in einem altarförmigen Rahmen mit zwei gedrehten Säulen und vier Puttenköpfchen (1640) die Kopie des Wessobrunner Gnadenbildes "Mutter der schönen Liebe" mit einem Kranz von 12 Sternen ( Bild etwa von 1730).

1985-89 Renovierung unter H.H.  Geistlichen Rat Ludwig Petz und unter der Betreuung durch den Oberkonservator Dr. H. Schmid.

Durch die Zusammenarbeit der zwei hervorragenden Künstler Joseph Fischer und Franz Anton Zeiller ist eine Barockausstattung von außerordentlicher Qualität entstanden, wie sie in Orten dieser Größe nicht leicht zu finden ist.

2015 wurde am Patroziniumsfest (St. Martin) der neue Volksaltar eingeweiht. Die letzte derartige Altarweihe hatte es in der Pfarrkirche St. Martin im 18. Jahrhundert gegeben. Nach etwa 8 Jahren der Planung und Vorbereitung wurden Altar und Ambo aus Künstlerhand (Joachim Kraus aus Markt Rettenbach) in Gotteshand übergeben.  Der Altar ist aus Juramarmor gestaltet, passend zu dem Solnhofner Plattenkalk, der als Bodenbelag dient. Im Fuß des Altares wurden Reliquien der Heilgen Crescentia aus Kaufbeuren und der heiligen Christina beigesetzt.

Die Konsekration des Altares wurde von Weihbischof Josef Grünwald gemeinsam mit Prodekan Karl Klein vollzogen.

 

Einmalig sind auf dem Friedhof 60 alte schmiedeeiserne Kreuze, gesammelt vom H.H. Pfarrer Ludwig Weinmüller.

 
 
 


 

Einen ausführlichen Kirchenführer über die St. Martinskirche von Dr. Karl Pörnbacher aus Sachsenried erhalten Sie im Gotteshaus (Neuauflage und Bearbeitung im Jahr 2016),

 
Dr. Karl Pörnbacher
 
 

Altarweihe, Nov. 2015